Theaterwunder

An diesem Wochenende durfte ich es wieder erleben, das, was ich persönlich ein Theaterwunder nenne. Nun bin ich mit dem Regisseur liiert und man könnte denken, nicht ganz vorurteilsfrei. Als Kollegin jedoch, habe ich ein scharfes Auge und erkenne so manches, das dem „gewöhnlichen“ Publikum entgeht. Das Ensemble als erstes, ist schon herausfordernd, 9 Frauen, 3 Männer, eine Altersspanne von etwa 40 Jahren, 4 Nationalitäten und diverse belastende medizinische Diagnosen. Und schon wieder einmal hat die Gruppe, deren Name Programm zu sein scheint, es geschafft, das Publikum zu begeistern. Mit Authentizität, echter Spiellust, Tanz, witzigen Einfällen und Können. Mit auf der Bühne, wenn auch am Rande, das Chaos lenkend, begleitend, der Regisseur, Harald Kleinecke, mit dem Rollennamen Henning Kleingeist. Wie macht er das? Wie schafft er das immer wieder, frage ich mich, denn schon seit vielen Jahren führt er die Theatergruppe durch alle persönlichen Krisen. Da fällt schon mal kurz vor der Premiere ein Spieler aus, dessen Nerven die Belastungen des Lebens nicht aushalten, da gibt es Ängste, dass der improvisierte Text nicht fließt, die Szene nicht verständlich ist, das Stück nicht gut ankommt. Doch wenn das Publikum bewegt und lachend applaudiert, dann spürt man wieder, dass Perfektion durchaus ihre Berechtigung hat, Lebendigkeit und Freude aber das Herz berühren.
Danke, Harald, Danke liebenswertes Chaostheater!



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