Glück oder Geld?

Diese Frage stellte sich gestern eine Schülerin, nachdem ich die Gruppe aufgefordert hatte, dem Universum einen Wunsch mitzuteilen. Es war der Beginn einer prozessorientierten Theaterreise. Ha, dachte ich, wähle das Glück, dann hast du auch das Geld. Doch dann meldet sich eine Gegenstimme: Ist das wirklich wahr? Und mir fielen persönliche Erlebnisse ein, ein Neugeborenes in den Händen zu halten, die ersten Sonnenstunden nach einem langen Winter, eine gelungene Geburtstagsüberraschung, das Zwitschern des Rotkehlchens am frühen Morgen, der Applaus nach der gelungenen Premiere, die erste Tasse Kaffee des Tages mit Harald, das Happy End eines Buches, mein Lieblingslied…. Glücksmomente, die nicht mehr kosten, als Wahrnehmung. Hmm, dann doch das Geld wählen? Ich schließe in meinen Überlegungen die Armut aus, in der die Grundbedürfnisse des Lebens „Nahrung, Gewaltlosigkeit, Wohnraum, gesundheitliche Versorgung, Arbeit, Ausdruck und Kleidung“ nicht beantwortet werden. Aber wie ist es, 14 zu sein, nicht das angesagte Handy zu haben, nicht die Schuhe, die alle tragen, kein Internet zu Hause, in einem Wohnblock zu leben und die Alltagsprobleme so vieler Menschen zu teilen, während andere im eigenen Garten grillen? In der Schlange vor dem städtischen Freibad zu warten, derweil andere an einem Strand Volleyball spielen, in Ägypten tauchen oder eine der Weltstädte erkunden? Wenn der Mangel täglich Verzicht fordert und Sorgen und Lasten auf viel zu zarte Schultern häuft? Plötzlich fällt mir die Entscheidung ebenso schwer. Geld ist Energie, Glück ebenfalls. Ich möchte beide in mein Leben einladen. Doch Priorität hat für mich etwas anderes, die Liebe. Und die nenne ich als meinen Wunsch ans Universum. Gestern, heute und an jedem weiteren Tag.
Und Ihr?



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